Mein Pferd versteht mich nicht – oder verstehe ich mein Pferd nicht?
Missverständnisse mit unseren Pferden können unseren Alltag im Stall oft überschatten und einen entspannten Stalltag zu einer Partie Rätselraten umgestalten. Hand aufs Herz: Wie oft stehst du ratlos vor deinem Pferd und fragst dich, was zum Henker es jetzt schon wieder hat? Mal reagiert es nicht auf deine Signale, mal scheint es dich zu ignorieren. Vielleicht dreht es demonstrativ den Kopf weg, wenn du kommst, oder es schnappt beim Putzen nach dir. Mag es dich etwa nicht?
Oder kennst du diesen Typ Pferd? Die Sorte, die immer mit angelegten Ohren in der Box steht und jeden vertreiben will, der sich auch nur auf zehn Meter nähert. „Arschlochpferd“, lautet der Fachbegriff.
Ja, Pferdebesitzer haben es nicht leicht – tägliches Verzweifeln ist inklusive. Dein Pferd sieht jeden Tag die gleichen Gegenstände, aber plötzlich glotzt es, als wäre es das erste Mal auf diesem Hof. Es schnorchelt, bleibt stehen, du erklärst ihm ruhig, dass da nichts ist… und trotzdem glaubt es dir nicht.
Oder das Training: Dein Pferd schlägt mit dem Schweif, klemmt, nagt auf dem Gebiss, geht gegen die Hilfen und in keine einzige Ecke. „Der will dich nur verarschen!“, heißt es in Fachkreisen.
Vielleicht will es sich wirklich nur drücken? Oder steckt doch mehr dahinter?
Die gute Nachricht: Dein Pferd verarscht dich nicht. Die schlechte? Wir müssen umdenken. Also, woran liegt es wirklich?
Missverständnis #1: „Mein Pferd hört nicht zu!“
Du willst etwas vom Pferd, es tut aber einfach nichts oder schaut sogar woanders hin? Wie respektlos, ja, wie frech!
Es könnte aber auch daran liegen, dass dein Pferd ein bisschen unsicher ist, was es genau tun soll, oder du hast ihm – unbeabsichtigt – beigebracht, deine Anfragen nachhaltig zu ignorieren.
Bei Unsicherheit hilft es, die Übung in kleine Schritte zu unterteilen und nach der schuldigen Lücke zu suchen, und die Übung dann neu aufzubauen. Wenn das Pferd aus Versehen lernt, deine Anfragen zu ignorieren, kann das z.B. durch falsches Timing passiert sein – etwa durch Dauertreiben mit dem Schenkel oder Dauerzug am Führstrick. Wenn permanent Input kommt, wird der irgendwann ausgeblendet. Das geht auch uns Menschen so! Ein anderer heißer Kandidat für sowas ist unbewusste Belohnung im falschen Moment.
Es kann jedoch auch passieren, dass dein Pferd etwas „ignoriert“, weil du selbst nicht so ganz sicher bist, was du eigentlich willst. Bist du dir voll und ganz und zu 100% klar, wie die Übung aussehen soll, oder wohin es nun geht? Wenn noch 3-5% fehlen, dann könnte es schwierig werden.
Oft passiert all das unabsichtlich, aber mit großen Auswirkungen. Umso wichtiger, dass du es erkennst und dich wieder und wieder korrigierst. Übrigens: Manche Pferde „ignorieren“ auch, um sich zu beruhigen, wenn sie sich überfordert fühlen oder nicht einverstanden damit sind, was ihr Mensch jetzt wieder mit ihnen vorhat. Auch das kann wie Ignorieren wirken.
Missverständnis #2: „Mein Pferd ist ungeduldig“
„Ungeduld“ ist ein weiteres Missverständnis, wo Menschen sich nicht bewusst genug darüber sind, was sie ihrem Pferd unabsichtlich gerade beibringen. Das führt dann oft dazu, dass das Pferd Dinge tut, die es eigentlich nicht tun sollte – und der Mensch bleibt frustriert zurück. Das Verhalten sieht aus wie Ungeduld, ist es aber nicht unbedingt: Scharren, das Drängen aus der Box oder das Zerren zur Weide sind klassische Beispiele.
Scharren wird häufig als Ungeduld gedeutet. Zunächst ein natürliches Verhalten, wird es oft ungewollt verstärkt. Das passiert zum Beispiel durch versehentliche Bestätigung oder immer gleiche Abläufe. Häufig ist es eine Reaktion auf die Erwartungshaltung des Pferdes oder entsteht durch Stress oder Langeweile beim Anbinden, was sich zu einer hartnäckigen Gewohnheit entwickeln kann.
Der Trick, um das zu stoppen: Reagiere nicht auf das Scharren. Klingt banal, aber ist schwerer als gedacht! Kein Blick, kein Seufzen, kein Schimpfen, kein Lächeln, auch den Puls nicht erhöhen – wirklich null reagieren. So verhinderst du, dass es verstärkt wird. Nun warte, bis dein Pferd für einen Moment ruhig steht, und belohne es dann sofort.
Ändere außerdem die Abläufe, um die gewohnte Erwartungshaltung zu durchbrechen: Variiere Rituale, ändere die Reihenfolge, baue Wartepausen ein. Das erfordert Disziplin, Geduld und stählerne Nerven, aber es hilft!
Übrigens: Falls dein Pferd schon sehr lange scharrt und dies immer bei Unbehagen tut, könnte es sein, dass Scharren zur Stressbewältigung geworden ist. In diesem Fall wäre es sinnvoll, mit ihm Stressmanagement zu üben.
Missverständnis #3: Mein Pferd dreht sich immer weg, wenn ich es halftern oder trensen will
Hast du das auch schon beobachtet? Du gehst mit dem Halfter oder der Trense auf dein Pferd zu, und es dreht seinen Kopf ein Stück weg. Viele Menschen reagieren dann enttäuscht oder verärgert und denken, dass ihr Pferd sich verweigert oder sie ablehnt.
Dabei ist es oft genau das Gegenteil! Das leichte Wegdrehen des Kopfes ist eine respektvolle und höfliche Geste des Pferdes. Es macht Platz und zeigt dir damit Respekt. Diese Geste ist ein Zeichen dafür, dass es deine Führung anerkennt – es gibt dir den Raum, den du brauchst, und respektiert deine Position.
Mein Tipp:Sieh das Wegdrehen als Zeichen von Höflichkeit. Möchtest du das Pferd halftern oder trensen, dann sei ebenso höflich: tritt mit einem Fuß wieder einen kleinen Schritt zurück und gib ihm ebenfalls Platz. Viele Pferde kommen dann mit ihrem Kopf herum in den frei gewordenen Raum und lassen sich brav aufhalftern. Vor allem, wenn du eher auf Schulter- oder Widerristhöhe stehst, hat das Pferd genug Platz, um dir entgegenzukommen.
Missverständnis #4: „Mein Pferd findet alles andere spannender als mich“
Vielleicht kennst du das Gefühl: Du verbringst viel Zeit mit deinem Pferd, bist immer nett zu ihm, und trotzdem scheint es alles andere interessanter zu finden als dich. Es scheint dich zu ignorieren, obwohl du so viel für es tust, damit es glücklich ist.
Das liegt daran, dass Pferde eine andere Sichtweise auf Dinge wie Glück und ein gutes Miteinander haben als wir Menschen. Was für uns wichtig ist, ist für sie oft nicht von Bedeutung. Was Pferde jedoch sehr schätzen, ist Klarheit und Konsequenz – das gibt ihnen Sicherheit.
Ein häufiges Problem ist, dass viele Menschen Schwierigkeiten haben, klare Grenzen zu setzen und dem Pferd genug Sicherheit zu geben. Sie wissen oft nicht, wie und wann sie es tun sollen, und halten Grenzen für etwas Negatives, das möglicherweise Schaden anrichtet oder die Beziehung belastet. Doch das Gegenteil ist der Fall: Grenzen sind etwas Positives! Sie bieten deinem Pferd Sicherheit und stärken eure Beziehung.
Wenn ein Pferd keine klaren Grenzen von dir wahrnimmt, fühlt es sich unsicher und „haltlos“. Es muss dann selbst für die Sicherheit sorgen – auf seine eigene Weise, die oft zu Stress führt. Die Aufgabe, für diese Sicherheit zu sorgen, überfordert viele Pferde, da sie diese Verantwortung eigentlich nicht übernehmen wollen.
Indem du lernst, klare und liebevolle Grenzen zu setzen, hilfst du nicht nur dir selbst, sondern auch deinem Pferd, mehr Sicherheit und Vertrauen zu finden.
Missverständnis #5: „Mein Pferd lässt sich nicht beruhigen!“
Dein Pferd ist ständig nervös, obwohl ihr euch gut kennt und du bereits Vertrauensarbeit und Schrecktraining gemacht hast. Vertraut es dir etwa nicht?
Es könnte daran liegen, dass dein Pferd tiefsitzende Ängste hat. Vielleicht hat es Angst, vom Stall oder von seinen Freunden wegzugehen oder es fürchtet bestimmte Orte, Situationen oder Objekte. In solchen Momenten lässt es sich nicht beruhigen, selbst wenn du es versuchst.
Manchmal liegt das Problem aber auch darin, dass dein Pferd in dir nicht genug Sicherheit findet, vielleicht fehlt ihm etwas an deiner Führung. Oder seine Angst ist so groß, dass es den Stress einfach nicht bewältigen kann.
In beiden Fällen ist meine Empfehlung: hol dir Unterstützung von einem guten Trainer, um die Ursachen zu verstehen und zu lösen. Häufig sind diese Probleme komplexer, und es erfordert manchmal etwas „Detektivarbeit“, um den richtigen Lösungsweg zu finden.
Ich bin gerne für euch da, um das Problem gemeinsam zu analysieren und den Weg zu mehr Sicherheit und Ruhe zu finden!
Pferde schenken uns alles, was sie haben – wenn sie uns als verlässlichen Partner wahrnehmen.
Missverständnis #6: „Mein Pferd ist dominant – oder?„
Viele Reiter sind überzeugt: Befehle und „Grenzen“ müssen mit aller Härte durchgesetzt werden, sonst übernimmt das Pferd die Kontrolle. Sie sind streng, manchmal sogar grob, wenn ihr Pferd nicht gehorcht – alles im Namen des „Respekts“. Doch was steckt wirklich dahinter?
Oft ist es in Wirklichkeit Angst. Angst davor, dass das Pferd die Führung übernimmt. Angst, als schwach zu gelten. Diese Überzeugungen werden in Reitschulen weitergegeben, von Vorbildern übernommen oder sogar aus der eigenen Kindheit mitgebracht.
Doch hier liegt der Denkfehler: Pferde sind nicht darauf aus, uns zu dominieren. Sie schenken uns alles, was sie haben – wenn sie uns als verlässlichen Partner wahrnehmen. Muss man Respekt erzwingen, läuft etwas gewaltig schief.
Dieses ständige „Aufpassen“, das Misstrauen gegenüber dem eigenen Pferd, erzeugt Stress – für beide Seiten. Der Mensch steht ständig unter Druck, das Pferd ebenso. Eine Beziehung, die auf Kampf basiert, kann niemals entspannt sein.
Was vielen vermeintlich „dominanten“ Pferden eigentlich fehlt, ist eine souveräne, klare Führung. Keine Härte, sondern Sicherheit. Wird ihnen diese nicht gegeben und dann plötzlich Strenge eingefordert, führt das zu Verwirrung und Frust. Das Vertrauen schwindet – und mit ihm die Freude an der gemeinsamen Zeit.
Missverständnis #7: „Mein Pferd schnappt und legt die Ohren an“
Viele Pferdebesitzer erschrecken, wenn ihr Pferd nach ihnen schnappt oder die Ohren anlegt. Häufig wird auch dieses Verhalten als Ungehorsam oder Respektlosigkeit verstanden. Tatsächlich handelt es sich neutral betrachtet erstmal nur um Abwehrverhalten – ein Versuch des Pferdes, sich zu schützen. Bitte lass dir das mal auf der Zunge zergehen!
Pferde besitzen nur ihren Körper, ihre physische Integrität. Wenn sie abwehrend reagieren, dann sorgen sie sich also um ihre Unversehrtheit.
Eine Freundin erzählte mir, wie ein kleiner Perspektivwechsel ihr half, das Verhalten von Pferden neutraler zu sehen und sich nicht persönlich davon angegriffen zu fühlen:
Pferde tun, das was sie tun, nie gegen uns – sondern für sich.
Mute deshalb bitte deinem Pferd niemals eine Situation zu, in der es glaubt, sich wehren zu müssen. Auch Pferde, die sich verunsichert fühlen, reagieren ebenfalls manchmal mit Abwehrgesten: Unklare Signale oder mangelnde Führung können einige Pferde enorm stressen.
Kleine Zeichen, große Folgen
Schnappen und Ohren anlegen sind also erstmal Zeichen von Unsicherheit oder Überforderung, und das kann auch im Training auftreten. Das Pferd zeigt damit an, dass ihm etwas fehlt. Verhaltensweisen wie Kopfschlagen, Zungenspielen, Steifmachen, gegen die Hilfen gehen oder Schweifschlagen können Folge von Überforderung sein, und ebenso auf Stress hindeuten.
Bleibt dieser Zustand ohne Hilfe vom Menschen bestehen, entwickelt das Pferd langfristig eine negative Einstellung, die sich nur schwer wieder ändern lässt. Das Abwehrverhalten kann sich dann sogar zu einer automatischen Routine entwickeln, die jedes Mal auftritt, wenn das Pferd an diese Situation nur erinnert wird – auch ohne äußeren Stress.
Drohen, in die Luft schnappen und ein „böses“ Gesicht machen sind oft wichtige Zeichen, dass es deinem Sportpartner gerade mit etwas nicht gut geht: Das Pferd erzählt dir von seiner Not!
Mein Tipp: Die beste Reaktion auf Abwehrverhalten ist nicht Strafe, sondern Verständnis und Forschergeist: Was passiert hier gerade? Denn mit Strafe (oder auch mit Ignoranz!) gibt man dem Pferd erst recht Grund zur Verzweiflung – und für Abwehr, die sich immer weiter steigern kann.
Missverständnis #8: „Mein Pferd ist aufdringlich, respektlos und will mich beißen“
Hast auch du gelernt, dass Pferde, die mit der Nase oder dem Maul zu dir kommen, respektlos sind oder betteln? Diese Annahme führt dann oft zu einem Klaps auf die Nase des Pferdes: Ein besonders trauriges Missverständnis! Denn Pferde haben keine Hände und interagieren daher mit ihrer Nase und ihrem Maul mit der Welt.
Wie ein Kind, das am Hosenbein zieht, um beachtet zu werden, sucht auch das Pferd Kontakt: Es geht nicht um Macht oder Hintergedanken (oder Leckerlis), sondern um den Wunsch nach Nähe. Und falls du jetzt denkst: So ein Unsinn – Pferde sind doch keine Kinder – dann hast du Recht: sie haben eine soziale Intelligenz, die etwa einem 12-jährigen Menschen entspricht – damit reichen sie eher an die soziale Reife von Teenagern heran! Sie ticken also sehr viel komplexer, als wir oft annehmen.
Viele Menschen fürchten jedoch die Kontaktanfrage mit Maul und Nase, weil dies ihnen in der Reitschule oder von anderen Reitern als „frech“, „respektlos“ oder „aufdringlich“ erklärt wurde.
Bleibt das Pferd aber nett und sanft, dann kannst du den Kontakt erwidern, indem du dich ihm zuwendest und es an deiner Hand lecken und herumschnabbeln lässt. So kannst du es auch von deiner Kleidung weglenken, und gibst ihm eine Fläche zum Andocken. Falls dein Pferd zu grob ist, weise es freundlich auf eine sanftere Annäherung hin.
Kleine Anfragen, die die Welt bedeuten
Oft übersehen Reiter diese kleinen Kontaktanfragen ihres Pferdes, denn sie glauben, ein Pferd könne ja gar nicht nach so etwas fragen, es wolle nur betteln. Doch dieses minimale Missverständnis sorgt für maximale Distanz! Stell dir vor, du würdest wiederholt nicht auf ein „Hallo, bist du noch da?“ reagieren – irgendwann würde dein Gegenüber den Kontakt abbrechen und ihr würdet nur noch nebeneinander her leben.
Im Training sind diese kleinen Kontakt-Momente besonders wichtig, um die Beziehung zu stärken, die Gemeinschaftlichkeit zu betonen und den Kontakt aufrecht zu erhalten.
Wichtig: Lerne zu unterscheiden zwischen einer freundlichen Kontaktanfrage, grenzüberschreitender Aufdringlichkeit oder penetrantem Betteln um Leckerli! An der Körpersprache und dem Gesichtsausdruck kannst du den Unterschied sehr gut erkennen.
Und: Wenn ein Pferd tatsächlich bei jeder Gelegenheit kneift oder richtig zubeißt, dann handelt es sich um ein größeres Problem. Das ist ein völlig anderes Thema, das tiefer liegende Ursachen hat.
Missverständnis #9: „My home is my castle“ – Wenn Pferde ihre Box verteidigen
Manche Pferde brauchen viel Individualraum und fühlen sich schnell gestört, besonders in ihrer Box. Für sie ist dieser Ort ihr Rückzugsraum – ihr Schlafzimmer sozuasagen. Jeder, der sich nähert oder vorbeigeht, löst Stress aus. Sie reagieren mit angelegten Ohren, Drohgebärden oder Schnappen, weil sie sich in ihrer Privatsphäre verletzt fühlen.
Dieses Verhalten verstärkt sich oft, wenn sie schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben oder wenn ein ungeliebter Boxennachbar neben ihnen steht. Besonders zur Fütterungszeit kann das zu großem Stress und Spannungen führen. Doch Achtung: Dauerstress beeinträchtigt nicht nur das Wohlbefinden, sondern kann auch gesundheitliche Folgen haben. Falls möglich, hilft es, solchen Pferden einen ruhigeren Platz mit einem weniger ungeliebten Nachbarn zu geben.
Mein Tipp: Achte doch mal darauf, ob dein Pferd auf bestimmte Situationen oder Handlungen empfindlich reagiert. Unbewusst kannst du es zusätzlich stressen, indem du ihm zu wenig Raum gibst oder zu direkt auftrittst. Eine bewusste Annäherung mit mehr Achtsamkeit kann viel bewirken. Oft reicht es schon, einen Schritt zurückzugehen, wenn dein Pferd erste Anzeichen von Unwohlsein zeigt. Manche Pferde atmen dann sichtbar auf, lecken, kauen und entspannen sich – fast als würden sie sagen: „Danke!“
Geduldige, gut durchdachte Gewöhnung (Habituation) kann helfen, wenn dein Pferd bestimmte Auslöser als bedrohlich empfindet. Wichtig ist, dies sanft und in seinem Tempo zu gestalten, um Vertrauen aufzubauen, statt es zu überfordern.
Missverständnis #10: „Mein Pferd sieht überall Gespenster – obwohl es hier alles kennt!“
Nun folgt ein Test: Schau in den Spiegel – und dann deinem Pferd direkt ins Gesicht. Na, fällt dir was auf? Genau: Eure Augen sehen anders aus, die Ohren stehen an völlig anderen Stellen, und die Nase? Auch nicht gerade ein Ebenbild deiner eigenen. Vom Körperbau ganz zu schweigen. Denn dein Pferd steht auf vier Beinen, du auf zweien – schon das sollte uns eigentlich zu denken geben, oder?
All das ist so offensichtlich – doch vergessen wir oft, welche enormen Unterschiede das für die Wahrnehmung der Welt bedeutet!
Wir Menschen machen häufig einen Denkfehler: Wir gehen davon aus, dass alle anderen Lebewesen die Welt genauso sehen und verstehen wie wir. Doch das ist ein Irrtum. Pferde nehmen ihre Umgebung völlig anders wahr. Ihre Wahrnehmung, ihre Psyche, ihre Reizverarbeitung – all das unterscheidet sich fundamental von unserem Denken. Würden Pferde die Welt mit unseren Augen sehen, wären sie längst ausgestorben.
Dein Pferd ist nicht dumm.
Dein Pferd ist ein Pferd.…Du wolltest doch gern ein Pferd?
Alles eine Frage der Perspektive
Pferde sind von der Natur konstruiert als Beutetiere. In der Wildnis müssen sie jederzeit auf der Hut sein, denn ihr Überleben hängt davon ab, Gefahren frühzeitig zu erkennen. Menschen hingegen sind Raubtiere – wir jagen, kategorisieren, planen voraus. Unser Gehirn spart Energie, indem es Objekte immer wiedererkennt, unabhängig von Licht, Winkel oder kleinen Veränderungen.
Für ein Pferd ist das anders. Es kann Dinge nicht so einfach kategorisieren. Ein Wasserschlauch, der gestern trocken war, heute aber tropft oder anders zusammengerollt ist, wird als völlig neues, unbekanntes Objekt wahrgenommen – und damit potenziell gefährlich. Dieselbe Mülltonne, an der du auf dem Hinweg vorbeigeritten bist, kann auf dem Rückweg plötzlich unheimlich wirken.
Das liegt auch an der Verknüpfung der beiden Hirnhälften des Pferdes. Für dich ist links und rechts herum alles gleich auf dem Reitplatz – für dein Pferd sind es oft zwei unterschiedliche Erfahrungen.
Vergiss also nie: Dein Pferd ist nicht dumm. Dein Pferd ist ein Pferd. So eins wolltest du doch…? Dein Pferd sieht die Welt aus seiner Perspektive – einer Perspektive, die über Millionen Jahre perfektioniert wurde, um das Überleben als Beutetier zu sichern. Es wäre ziemlich egozentrisch zu glauben, dass unsere Wahrnehmung die einzig richtige ist – und die des Pferdes falsch.
Mehr Klarheit & Wissen für eine bessere Kommunikation
Unsere Reise durch die kleinen und großen Missverständnisse zwischen Mensch und Pferd neigt sich dem Ende zu – und vielleicht siehst du dein Pferd jetzt mit etwas anderen Augen. Viele Konflikte entstehen nicht aus Widerspenstigkeit, ignoranz oder Bosheit, sondern schlicht aus unterschiedlichen Wahrnehmungen und Kommunikationsformen. Was für uns logisch erscheint, ist für das Pferd oft unverständlich – und umgekehrt. Kein Wunder also, dass sich Frust, Unsicherheit und Stress einschleichen.
Doch die gute Nachricht ist: Sobald du beginnst, die Sprache deines Pferdes wirklich zu verstehen, verändert sich eure Beziehung grundlegend. Vermeintlich „schlechtes“ Verhalten bekommt eine schlüssige Erklärung und lässt sich mit Geduld und Feingefühl positiv beeinflussen. Je klarer du kommunizierst, desto harmonischer wird eure Verbindung – fast wie Magie!
Möchtest du lernen, die Signale deines Pferdes wirklich zu entschlüsseln und eine lebendige, entspannte Beziehung aufzubauen? Dann komm zu mir ins Coaching für Pferdemenschen! Ich zeige dir, wie du dein Pferd nicht nur verstehst, sondern auch so mit ihm sprichst, dass es dich versteht – für eine Partnerschaft, von der du als Kind immer geträumt hast: Die magische Beziehungsformel – Werde der Leitstern für dein Pferd!
Hast du eines dieser Missverständnisse schon einmal erlebt? Erzähl es mir in den Kommentaren!
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